Tick tack, tick tack. Eure Team-Uhr tickt die ganze Zeit. Von Minute 1 an. Das solltest du als Führungskraft unbedingt wissen und bedenken, wenn du mit deinem Team gemeinsam auf der Reise bist.

Möchtest du, dass dein Team mit Energie gemeinsam auf euer Ziel hinarbeitet?  Dann ist es wichtig zu verstehen, dass das nicht zu jedem Moment gleichermaßen möglich ist.

Ein Team ist ein System. Sobald sich eine Sache im Team verändert, ist das System aus dem Gleichgewicht.  Es wird erst ein neues Gleichgewicht finden müssen, bevor es Leistung bringen kann.

Hier lernst du die Team-Uhr von Bruce Tuckman kennen, die dir zeigt, dass es 5 Phasen in einem Teamprozess gibt, die ihr gemeinsam durchlauft. Immer. Ob du es willst oder nicht.  Und: der Weg lässt sich nicht abkürzen. Ihr müsst gemeinsam durch jede Phase gehen. Und das ist auch gut so, damit am Ende etwas Gutes dabei herauskommt.

Phase 1: Forming – die Phase der ❓ Fragezeichen

Wenn Menschen neu zusammenfinden, z.B. wenn sich dein Team neu bildet oder wenn ein neues Projekt startet, seid ihr automatisch in Phase 1. Und das ist auch so, wenn ein Teammitglied die Gruppe verlässt und jemand Neues hinzukommt.

Dem Anfang wohnt ein Zauber inne, sagt man. Doch nicht nur das. Die Teammitglieder sind oft erst einmal zögerlich. Manche sind verunsichert und beobachten die anderen aus dem Hintergrund. Nur langsam kommen sie aus der Deckung.

  • “Wie werde ich wahrgenommen?”
  • “Wer sind die anderen?
  • “Wie fühle ich mich in der Gruppe?”

Jede*r sucht einen Platz.

Darum dreht sich alles. Weil nämlich noch keine Plätze feststehen. Hier ist noch alles möglich. Alle beobachten aufmerksam, nehmen Schwingungen wahr und beschnuppern sich.

In dieser Phase hast du als Führungskraft die Rolle des*der Gastgebers*in. Unterstütze den Kennenlernprozess. Sorge dafür, dass sich alle wohl und willkommen fühlen. Und achte darauf, dass alle Beteiligten zu jeder Zeit gut informiert sind.

Dein Team sollte möglichst nur eine kurze Zeit in Phase 1 bleiben und zügig einen Schritt in Phase 2 machen.

Phase 2: Storming – die Phase der ⚡ Blitze

In dieser Phase darf, soll und wird es knallen. Das ist sicher. Das Schlimmste ist, den Konflikt im Keim zu ersticken. Denn Konflikte sind im Teamprozess wichtig, um auf die nächste Stufe zu kommen. Werden sie unterdrückt, schwelen sie im Hintergrund weiter. Und das macht alles nur schlimmer.

Also: rein in die Auseinandersetzung über Ziele und Vorgehensweisen. Nur Mut! 

Durch Reibung entsteht Wärme. Das ist eine alte Weisheit. Gerade dieses Reiben ist wichtig, damit Energien frei werden. Denn so zeigt sich bei den Menschen das, was beim Forming noch verdeckt war. Es kommt zu Positionskämpfen. Und alle zeigen nach und nach ihr wahres Gesicht.

Jede*r sucht ihren*seinen Platz.

Hier wird gekämpft und gefeilscht, hier werden die Ellenbogen ausgefahren. Jetzt zeigen sich die wahren Gesichter. Und das ist auch gut so. 

In dieser Phase solltest du schlichten und antreiben zugleich. Reiß nicht das Ruder an dich. Das könnte dazu führen, dass das Team in dieser wenig konstruktiven Phase verbleibt. Sorge stattdessen dafür, dass Konflikte nicht unter den Teppich gekehrt werden und alle zu Wort kommen können. Schaffe ein offenes Klima, in dem Konflikte nicht eskalieren. Und zum Schluss: lenke den Fokus des Teams immer wieder zurück auf die Projektziele.

Phase 3: Norming – die Phase der 🔗 Verbindung

Findest du auch, dass ein Gewitter reinigend wirkt? Wenn Blitz und Donner sich verzogen haben, kommt oft die Sonne wieder raus. Die Luft ist erfrischend und klar und Himmel ohne eine Wolke. das ist absolut wohltuend.

Dieses Bild passt wunderbar zu der Teamphase, die auf die Phase der Blitze folgt. Jetzt steht das Gemeinsame im Fokus und nicht mehr die Gegensätze. Und das Team einigt sich Schritt für Schritt auf gemeinsame Regeln und Verfahren. Hier entscheiden alle gemeinsam, wer welche Rolle übernimmt. Manchmal bilden sich auch Untergruppen, mal sichtbar und mal auch nicht.

Das Team wird immer mehr zu einem funktionierenden Organismus und versteht sich auch als solcher.

Jede*r findet ihren*seinen Platz.

Als Führungskraft kannst du dich hier mehr und mehr zurücknehmen. In den Phasen 1 und 2 musstest du dein Team stärker führen. Jetzt kannst dich wieder mehr um Sach-Aufgaben kümmern.

Wenn die Gruppe gemeinsam Regeln und Prozesse etabliert, kannst du mehr und mehr die Rolle eines Beraters oder Coachs einnehmen. Begleite dein Team im Hintergrund, während es eigene Spielregeln aufstellt. Und achte darauf, dass sie danach auch wirklich eingehalten werden.

Phase 4: Performing – die Phase der 💪 Leistung

Jetzt werden aber wirklich die Ärmel hochgekrempelt: “An die Arbeit!” ist das Motto der Stunde. In dieser Teamphase arbeiten die Teammitglieder konstruktiv und effektiv zusammen. 

Sportsgeist ist gefragt! Ein bisschen wie bei einem Staffellauf greifen hier alle Teile ineinander. Jede*r weiß, was sie*er zu tun hat. Die Aufgaben sind klar definiert, und alle gemeinsam sind fit und arbeiten auf Höchstniveau mit, damit das Ziel erreicht wird. Das System strotzt nur so vor Energie und Tatendrang.

Jede*r kennt ihren*seinen Platz.

In dieser Phase musst du als Führungskraft kaum noch eingreifen. Du kannst dich jetzt ruhig etwas zurückziehen. Was bei dir jetzt im Vordergrund stehen sollte: an den Zielen festhalten, moderieren. Die einzelnen Teammitglieder sehen und weiterentwickeln.

Jetzt ist doch sicher Schluss, denkst du? Ja, am Anfang war es das auch. Bis Tuckman eine fünfte wichtige und oft unterschätzte Phase hinzugefügt hat:

Phase 5:  Adjourning – die Phase 🔙 des Rückblicks

Wenn dein Team ein Projekt erfolgreich abgeschlossen hat, solltet ihr alle gemeinsam für einen Moment innehalten. Denn jetzt kommt die Phase des Abschieds und der Trennung. Denn in exakt dieser Konstellation werdet ihr wahrscheinlich nicht mehr zusammenarbeiten. Die Aufgaben werden sich verändern und das System auch: Manche Menschen werden das Team verlassen, neue werden hinzukommen.

Nach eurem Performen braucht es jetzt Ruhe und Durchatmen. Auch ganz wichtig: ihr solltet gemeinsam eure Erfolge feiern! Das wird leider sehr oft in Organisationen vergessen. 

Sorge unbedingt dafür, dass die Leistung, die jede*r einzelne und alle zusammen erbracht haben, auch wirklich gewürdigt und das Projekt angemessen abgeschlossen wird.

Die fünfte Phase ist eine Phase des Übergangs, denn vom Performing geht das Team jetzt weiter zum erneuten Forming.

Wie du dir sicher denken kannst, gibt es jede Menge Faktoren, die den Ablauf dieser 5 Phasen bestimmen.

  • Arbeitet ihr in einem lockeren oder eher starren Umfeld?
  • Wie groß ist die Gruppe?
  • Kennen sich die Teammitglieder schon?
  • Hast du schon Erfahrung als Führungskraft?

Sicher findest du noch andere Aspekte, die auch auf die Liste gehören.

Egal, wie die Situation bei dir auch sein mag: Die 5 Phasen wirst du in jedem Fall bemerken, denn sie finden statt – immer! 

Hast du eigentlich eine Ahnung, in welcher Phase du dich gerade mit deinem Team befindest? Mach doch einfach mal den Team-Uhr-Test und schaffe dadurch Klarheit! 

Kann sein, dass ihr noch im Storming feststeckt. Das macht nichts, solange ihr nicht auf ewig dort verharrt. Du weißt ja jetzt, was du zu tun hast! Oder sprich mich an, und wir schauen gemeinsam auf eure Team-Situation.

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